Van(family)life – Ein gewöhnlicher Tag in Portugal

23/02/2020 | Familienwelten, Portugal | 0 Kommentare

Gelb ist die Poesie der Sinnlichkeit.

Marie A.H.

 

Ein gewöhnlicher Tag in Portugal beginnt für uns…

… im sanften Licht der aufgehenden Sonne, die durch unsere Fenster neben dem Bett fällt. Auch Alva ist schon auf und hopst vor unserem Bett auf und ab, in bester Laune und knallwach möchte sie hoch zu uns kommen und kuscheln. Das können wir nur verstehen, denn so wie bei ihr unten, ist es bei und oben herrlich kuschelig. Nur leider versteht sie darunter meist etwas anderes als wir.

Kommt, aufgewacht, die Sonne lacht!

Denn während wir noch durch unsere mit Schlafsand verklebten Augen versuchen in die Welt zu schielen, sprudelt Alva nur so über mit Ideen. Sie möchte am liebsten alles gleichzeitig machen: Verstecken spielen, uns abkillern, abgekillert werden, Prinzessin spielen, Hexe sein und ein Buch lesen, alles oben in unserem Bett!

„Ohhh Alva, ich bin doch noch gar nicht wach“, stöhne ich und ziehe mir die Decke über den Kopf. Doch unser Kindchen weiß natürlich Rat, zieht mir die Decke wieder weg und gibt meinen beiden müden Augen jeweils einen sanften Kuss. So eine liebe Geste muss belohnt werden und ich versuche mich hochzurappeln.

Während einer von uns oben mit Alva spielt, geht der andere runter und setzt den Wasserkessel auf und schaltet die Standheizung ein. Zwar müssen wir diese die Nacht über nicht mehr laufen lassen, doch ist es morgens noch sehr frisch im Bus. Obwohl die Temperaturen Tagsüber locker die 20 Grad Marke erreichen, zeigt das Thermometer im Bus in der Früh gerne mal 8°C an.

Kinder da, Hopsasa

Seit wir in Portugal sind, sind wir seltener allein. Besonders in der Algarve tummeln sich viele Wohnmobile, Camper und selbst ausgebaute Vans. Hier sind sie alle zu finden: Vanlife-Punks, Freicamper, Aussteiger, Wochenendtouristen, Wohnmobil-Greise, Dachzeltler, Ruheständler, Vanfluencer, YouTube-Vlog-Blog-Insta-Sternchen, Hippie-Hipster, Glamper, Campingplatzcamper, schicke Surfer-Vanpärchen, Reisende mit Hund, Reisende mit Katze, Reisende mit Glatze…

Aber auch viele Familien die für längere oder kürzere Zeit im Camper leben. Für Alva beginnt nun die Zeit des Herumtobens und für uns die Zeit des Luftholens.

Nicht selten ist sie schon verschwunden, bevor der Wasserkessel zu pfeifen beginnt, denn sie hat irgendwo Kinder entdeckt. Überhaupt ist sie, seit wir in Portugals Süden angekommen sind, viel selbstbewusster geworden. Sollten wir erst noch mit ihr zusammen zu den Nachbarn gehen, um uns in ihrem Namen der Kinderschar vorzustellen, so rennt sie jetzt zielstrebig los. Wir – noch immer träge an der Kaffeetasse nuckelnd – schauen dann gespannt durch das Fenster. Was wird passieren? Werden die neuen Leute die Tür öffnen? Woher kommen sie? Erkennst du das Nummernschild? Sehen sie nett aus? Wie viele Kinder sind es? Geht Alva rein? Kommt sie zurück? Kommt sie allein? Oh je, wie viele kommen da zu uns? Von „Oh Mist, ich muss mir schnell was anziehen, die Eltern kommen rüber“ bis zu „Meinst du wir sollten hingehen und fragen, ob es ok ist, dass Alva jetzt dort einfach mit Frühstück isst?“ ist alles dabei. Jeder Morgen bleibt spannend. Aber für uns vor allem entspannend! Denn Alva ist die meiste Zeit am Spielen. Bleiben wir länger an einem Ort, kennen sich die Kinder schon und treffen und verabreden sich in den unterschiedlichen Bussen. Für die Kleinen ist es irre spannend mal hier, mal dort zu spielen und jedes Elternteil darf mal Gastgeber sein. Dann bricht drinnen das Chaos aus, aber was soll´s. Zeit für uns Große nach draußen zu verschwinden und miteinander zu schwatzen und die zweite Tasse Kaffee zu schlürfen.

Sommer, Sonne, Sonnenschein

Es ist warm! Es ist sogar herrlich warm im Süden Portugals! Wir schwitzen sogar. Der Winter in der Algarve ist wirklich ein Traum! Wir leben endlich draußen, statt drinnen und jeden Abend spüren wir die Sonne des Tages noch im Gesicht pochen.

Nicht nur unsere Solaranlage lädt sich in Windes Eile auf, auch unsere ganz persönlichen Batterien werden neu geladen. Wir wandern an der eindrucksvollen Küste Portugals entlang und sogar Alva findet zu unserer großen Freude und Erleichterung Spaß daran, mehrere Stunden zu laufen und zu kraxeln.

         

Wir genießen die herrlichen Strände, werfen uns in die Wellen oder laufen vor ihnen weg. Wir möchten etwas zurückgeben und schließen uns mehreren Reisenden an, in einer großen Tagesaktion einen ganzen Strand von Müll und Zigarettenstummeln zu befreien. Wir besuchen malerische Küstenstädte und genießen es, für einen Tag einfach nur Touristen zu sein. Wir schlecken Eis, gehen Essen, spazieren durch die Altstadt, fahren mit einem Boot an  den skurrilen und atemberaubend schönen Küstenformationen Portugals entlang, um uns dann einen Tag später in die Einsamkeit und Ruhe der Natur zurückzuziehen. Denn das Innenland hat es in sich.

Der blühende Februar

Es blüht und zwitscher, summt und trällert überall in Portugal. Hier beginnt schon im Februar der Frühling! Der „Nickende Sauerklee“ breitet sich gelb strahlend über die Wiesen und sämtliche Grünflächen aus. Je weiter wir gen Süden fahren, desto häufiger sein Vorkommen. Alva sammelt uns eifrig Blumensträuße für unseren Wohnzimmertisch. Haben wir das knapp 20 cm hohe Pflänzchen erst wegen seiner fröhlichen Schönheit und wegen seines intensiven Duftes bewundert, so wissen wir jetzt: Sauerklee ist nicht nur essbar – sondern auch gesund! Grund genug, dem Wunderpflänzchen einen eigenen Beitrag zu widmen.

Bei unserem Abstecher ins Landesinnere fahren wir an Oliven- Orangen und Mandelbaumkulturen vorbei. Der Anblick ist sowohl herrlich, als auch köstlich! Wir entspannen uns von dem Trubel der Küste und parken zwischen zartrosa blühenden Mandelbäumchen mitten in der Natur. Wir erfahren die totale Entspannung.

         

Fern der Straßen und Städtchen, hören wir hier 4 Tage lang nichts, außer dem Zwitschern und Trällern, Summen und Brummen um uns herum. Hier wandern Wallo und Alva ein ausgetrocknetes Flussbett zwischen entlang, von dichtem, rauschenden Bambus umgeben, während ich schreibe.

          

Wandern ist für mich leider nicht mehr so einfach möglich, da der kleine Racker in mir stark auf meine Leiste drückt. Wir lassen uns treiben, kochen langsam und intensiv, essen genüsslich, lassen uns Zeit beim Abwasch, halten Siesta um die Mittagszeit und sammeln, erkunden und entdecken die Umgebung am Nachmittag. Neigt sich die Sonne dem Horizont zu, wird es langsam kühler und wir gehen auf Feuerholzsuche. Unter einem grandiosen Sternenhimmel, verbringen wir die Abende am Feuer sitzend. Wir essen Stockbrot und erzählen uns Geschichten. Auch wenn das Meer seine ganz eigene Magie besitzt, kommen wir nicht umhin festzustellen, dass die Ruhe des Innenlandes uns den absoluten Seelenfrieden schenkt.

Wir sind im Paradies angekommen.

 

Eure beseelten Mellows

 

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Die Reisenden


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