Mit dem Bett durch die Welt – Fabi & Mareen im Interview

07/03/2020 | Begegnungen, Portugal | 1 Kommentar

„Wir treffen so viele interessante Menschen, führen tiefgründige Gespräche und  bekommen viel neuen Input und Denkanstöße, seit wir auf Reisen sind“

Fabi

Interview am: 02. März 2020

Die Reisenden:  Mareen (27) & Fabi (32)

Das waren wir: IT-Consultant, Medieninformatiker

Das sind wir jetzt: Erfinder unseres Lebens

Gewähltes Zuhause:

  • Hymer Mobil B564
  • Baujahr 1991
  • Kaufpreis: € 8400
  • Ausbaukosten: Ca. € 4000
  • Maximale Geschwindigkeit: 140 Km/h
  • Wohlfühlgeschwindigkeit: 70 Km/h

Unterwegs seit: März 2019

Bisherige Reiseroute: Frankreich – Mittelmeer – Spanien – Portugal  – Nordspanien – Frankreich – Belgien – Holland – Deutschland – Dänemark – Norwegen – Schweden – Deutschland – Frankreich – Spanien – Portugal

Was gefällt euch an eurem Wohnmobil besonders?

Mareen: Wir sind froh, dass wir uns für ein Wohnmobil entschieden haben und nicht für einen Kastenwagen. So hatten wir nicht viel Stress beim Ausbau und können es nach und nach unserem Geschmack anpassen. Es ist gemütlich und wir haben viel Stauraum, wir lieben den Retrocharme unseres Wohnmobils.

Fabi: Wir wussten auch nicht wonach wir schauen sollten, wir haben zuvor noch nie in einem Wohnmobil geschlafen. Hier war alles schon dabei, außer die Solaranlage.

Was überzeugt euch nicht und würdet ihr rückblickend ändern?

Fabi: Der Fiat als Basis. Wir haben ca. alle 3 Monat eine Panne. Mit der Kupplung, das Kühlwasser… Auch haben wir Probleme mit den Ersatzteilen, die gibt es leider kaum. Ein neueres Auto wäre diesbezüglich besser.

Mareen: Das Wohnmobil ist vollintegriert. Man kommt nirgends richtig ran, es ist verbastelt. Beim nächsten Mal würden wir ein Wohnmobil mit Alkoven wählen.

Worauf könnt ihr in eurem Camper nicht verzichten?

Fabi: Das Klo und die Solaranlage.

Mareen: Wir lieben auch unsere große Panorama Frontscheibe und auf die Ablage kann man herrlich die Füße hochlegen.

Was für eine Toilette habt ihr verbaut?

Fabi: Eine Trocken – Trenn – Toilette mit 20l Urinkanister und ca. 10L Feststoffkanister.  Wir müssen ca. 1 -2 Mal die Woche ausleeren. Vorher war eine Chemietoilette verbaut.

Von den bereisten Ländern, welches hat euch besonders begeistert und welches nicht so?

Mareen: Landschaftlich hat uns Norwegen am meisten begeistert. Die interessantesten Menschen haben wir in Portugal getroffen. Den coolsten Alltag hatten wir in Schweden.

Fabi: Nicht gefallen hat uns Frankreich. Zu dicht besiedelt, überall sind Zäune und Höhenbeschränkungen.

Wie haben eure Freunde und Familien reagiert, als ihr euer Leben geändert habt?

Fabi: Mareen hat die Neuigkeit ihrer Familie sehr sanft vermittelt,
während ich die Holzhammermethode gewählt habe. Damit habe ich meine Familie glaube ganz schön geschockt, aber ich wollte vermeiden, dass sie versuchen es mir wieder auszureden. Dafür haben sie jetzt besser begriffen, dass wir vorhaben, unsere Leben in Gänze zu ändern, während Mareens Familie es teilweise immer noch nicht so ganz versteht.

Mareen: Mir hat die Reaktion meines Onkels besonders gefallen. Er hat sein Leben lang gearbeitet, die Firma seiner Familie übernommen. Er dachte kurz nach und sagte dann „Ja, das hätte ich auch machen sollen!“.  Er redete es nicht schlecht, sondern reflektierte und befand es als eine gute Sache, auch wenn er es nicht leben konnte. Wir kannten vor unserer Reise niemanden, der sein Leben schon mal komplett auf den Kopf gestellt hatte und viele, denen wir von unseren Plänen erzählen, konnten damit nicht viel anfangen und das Interesse war entsprechend gering. Schade fanden wir nur, dass manche Bekannte unsere Entscheidung direkt auf sich bezogen haben und direkt tausend Gründe nennen konnten,
die dagegen sprechen.

Wie finanziert ihr eure Reise?

Fabi: Bisher habe ich noch voll gearbeitet. Ich bin seit ich 16 Jahre alt bin selbständig tätig als Programmierer.

Mareen: Ich habe bis jetzt auch noch an Projekten von Fabi mitgewirkt. Dadurch, dass wir seit einem Jahr im Wohnmobil leben, konnten wir viele Kosten einsparen und gut Geld sparen. Jetzt möchten wir erst einmal reisen, mit freiem Kopf. Wir möchten herausfinden, wie es sich anfühlt von Erspartem zu Leben.

Ist euch schon einmal langweilig geworden?

Fabi: Letztens hatte ich das Gefühl von Langeweile und habe festgestellt, dass ich das gar nicht mehr kannte. Eine interessante Erfahrung und ich hoffe, dass ich davon noch mehr haben werde.

Mareen: Wenn man mit sich selber im Reinen ist, dann kann man auch friedlich nichts tun.

Wo seht ihr euch in einem Jahr?

Fabi: In Griechenland. Vielleicht trauen wir uns aber auch weiter bis in die Türkei oder Georgien.

Was hat euch an diesem Lebensstil positiv überrascht?

Mareen: In einem Wohnmobil fühlt sich das Leben gar nicht so anders an. Es ist halt nicht campen. Wie zu Hause nur etwas kleiner.

Fabi: Uns war bei der Abfahrt auch nicht klar, dass wir so viele spannende Leute treffen werden. Das genießen wir sehr. Früher hatten wir uns jahrelang mit den gleichen Menschen umgeben. Wir treffen so viele interessante Menschen, führen tiefgründige Gespräche und  bekommen viel neuen Input und Denkanstöße, seit wir auf Reisen sind

Wie hat euch die Reise verändert?

Mareen: Mir fällt es jetzt viel leichter auf neue Leute zuzugehen. Ich habe unterwegs gelernt, dass ich nicht mit jedem reden muss. Neue Bekanntschaften sind unverbindlich.

Fabi: Bei mir ist die berufliche Veränderung aktuell die größte. Durch die Reise habe ich angefangen mich zu fragen, womit ich mich wirklich beschäftigen möchte. Ich denke jetzt, wo ich aufgehört habe zu arbeiten, wird die eigentliche Veränderung einsetzen. In den letzten 32 Jahren hatte ich noch nicht die Chance, mich mal nur mit mir zu beschäftigen. Ich lerne jetzt auch „nein“ zu sagen.

Mareen: Wir beide lernen uns jetzt viel besser selbst kennen.

Leben auf engstem Raum – Was ist für euch die größte Herausforderung?

Mareen: Es war sicher gut, dass wir schon zusammen gelebt haben und bereits viel Zeit zusammen verbracht haben, bevor wir in ein Wohnmobil gezogen sind. Sich durch die Arbeit wenig zu sehen, hat uns früher sehr gestört. Wir hatten schon zuvor nicht das Gefühl, dass wir im Alltag Abstand voneinander bräuchten. Manchmal sind wir natürlich voneinander genervt, aber nie so, dass wir streiten würden. Wir lernen, uns aneinander anzupassen. Zum Beispiel putze ich und Fabi räumt auf. Beziehungsweise nervt es mich, wenn Fabi mit dreckigen Füßen ins Bett geht und er ist genervt, wenn ich Dinge rumliegen lassen. Damit werden wir jetzt viel gelassener. Ich denke, die größere Herausforderung ist, dass man sich selbst und seinen eigenen Gedanken nicht aus dem Weg gehen kann.

Würdet ihr sagen, dass euch der neue Lebensstil mehr zusammengeschweißt hat?

Mareen: ja. Wir wachsen miteinander.

Gibt es eine Rollenverteilung bei euch?

Fabi: Ich fahre meistens. Ich räume auf, Mareen putzt. Ich entleere den Urinkanister und Mareen ist die Feststoffbeauftragte (lachen). Mareen ist die Kommunizierende, ich bin der Tüftler.

Musstet ihr schon mal ordentlich die Türen knallen?

Mareen: Ne, da hätten wir Angst, dass was kaputt geht (lachen). Aber nein, wir sind nicht so die Typen die ausrasten.

Könntet ihr euch vorstellen, dieses Leben auch als Familie mit einem Baby und/ oder Kindern zu führen?

Fabi: Ja, absolut. Dafür haben wir hier zu viele positive Beispiele kennen gelernt und zu viele schlechte Beispiele im Heimatland. Vielleicht wäre ein anderes Wohnmobil sinnvoll.

Mareen: Es liegt glaube auch weniger am Auto, als am Lebensstil. Vollzeit arbeiten und noch ein Kind dabei, das kann ich mir jetzt nicht mehr vorstellen. Ich denke, wir würden unsere Pläne beim Reisen etwas anpassen. Aber es wäre kein Hindernis weiter zu reisen und so zu leben, viel mehr eine Bereicherung.

 

Neugierig geworden?

Folge Mareen und Fabi auf ihrer Webseite  www.leise-reise.de , wo sie ihr Gedanken zum nachhaltigen Leben und Reisen teilen.

Oder auf Instagram:

@schuettelberts_reisen

Wir freuen uns sehr, die beiden getroffen zu haben und danken ihnen sehr für dieses interessante und unterhaltsame Interview und die gemeinsame Zeit! Wir sind gespannt, wann und wo wir uns wiedersehen werden 🙂

 

1 Kommentar

  1. Mari und Fabi

    Hallo ihr Lieben,
    vielen Dank für das nette Interview, die schönen Bilder und euren Eintrag in unser Freundebuch – ist alles wirklich toll geworden! Wir freuen uns auch auf ein – hoffentlich baldiges – Wiedersehen.

    Mari und Fabi

    Antworten

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Die Reisenden


Schön, dass du zu uns gefunden hast! Wir sind Melli und Wallo und reisen mit unseren bald  zwei Kindern durch die Welt. Dabei leben wir  Vollzeit in unserem selbst ausgebauten Mercedes Oldtimer. Komm mit uns auf diese virtuelle Reise und lasst uns gemeinsam in fremde Welten eintauchen. Neben unseren persönlichen Eindrücken und Begegnungen, findest du auf unserem Blog allerhand Informationen zu Reisezielen, Reisevorbereitung, Ausbau, Finanzierung und zum Vanlife als Familie.

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